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El Rocío
Jedes Jahr zu Pfingsten pilgern mehr als eine Million Menschen zu Ehren der Jungfrau Maria tagelang zu Pferd und zu Fuß in das kleine andalusische Wallfahrtsdorf El Rocío. Viele Wege führen dorthin, aber etwa ein Drittel der Pilger, insbesondere jene aus dem Süden Andalusiens , nehmen den Weg über den Fluss Guadalquvir. Am Fährhafen von Sanlúcar treffen schon tagelang im voraus die Bruderschaften ein: Bunt geschmückte Ochsenkarren und Reiter in ihren besten Kleidern und Trachten.
Der beschwerliche Weg führt dann 40 km durch die Wildnis und über staubige Pisten des Nationalpark Coto de Doñana. Wenn der silberne Ochsenkarren mit der heiligen Standarte der Jungfrau Maria ins Stocken gerät, eilen die Pilger sofort herbei und ziehen ihn mit vereinten Kräften aus dem Sand. Wenn es sein muss, wird das Fuhrwerk bis nach El Rocío geschoben, denn niemand darf dieses Fuhrwerk überholen.
Nach vielen Stunden Fußmarsch wird abends im Freien ein Nachtlager aufgeschlagen. Überall wird nun gekocht und es beginnt ein Freudenfest zu Ehren der Jungfrau mit Tanz und Gesang bis in den frühen Morgen. Am Ende des dritten Tages verlässt der Tross den Nationalpark und wird in El Rocío mit unbeschreiblichem Jubel empfangen. Überall im Dorf sieht man die festlich gekleideten Menschen auf ihren Pferden oder zu Fuß. Nirgendwo sonst sind während einer Wallfahrt so viele Pferde an einem Ort versammelt, es sollen mehr als 50000 sein.
Die Spannung erreicht den Höhepunkt am Abend des Pfingstsonntags. In einer eher archaischen Zeremonie versuchen die Pilger, sich der aus der Kirche auf die Straße getragenen Marienstatue zu nähern, ihre Rocksäume zu berühren und sich auf diese Weise ihren Schutz zu erbitten. Die Menschen geraten völlig außer sich bis der Padre endlich den Segensgruß über die Menge ruft.
Die Pilgerreise nach El Rocío ist kein touristisches Ereignis. Entweder ist man dabei und macht mit oder man bleibt ihr fern. Fotokameras sind nicht gern gesehen.



